Ejaculatio praecox

Der vorzeitige Samenerguss ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes. Sie ist gekennzeichnet durch den Verlust der willentlichen Ejakulationskontrolle, eine verkürzte Zeit bis zum Samenerguss und erhöhten Leidensdruck. Das kann das Sexualleben einschränken und Beziehungen Belasten.
Wir Urologen sind die richtigen Ansprechpartner für Sie.

Kompetenzen

Ursachen und Arten des vorzeitigen Samenergusses

Wenn eine unkontrollierte verfrühte Ejakulation regelmäßig auftritt, kann das verschiedene Ursachen haben:

  • Psychische Faktoren wie Stress, Leistungsdruck, Versagens-ängste, Beziehungsprobleme oder traumatische Erfahrungen
  • Biologische Faktoren wie veränderte Botenstoffe, erhöhte Empfindlichkeit oder Entzündungen

Man unterscheidet zwischen lebenslang bestehender (primärer) und erworbener (sekundärer) Form.

Therapie der verfrühten Ejakulation

Um den Ablauf des penetrativen Geschlechtsverkehrs und die Ejakulation wieder in den Griff zu kriegen gibt es neben der Möglichkeit von Verhaltensanpassung und körperlichem Training auch medikamentöse Therapieansätze. In den meisten Fällen wird die Symptomatik durch kleine Veränderungen im Alltag beherrschbar.

  • Stopp-Start-Technik: Der Penis wird stimuliert, bis kurz vor dem Samenerguss. Die Stimulation wird unterbrochen, bis die Erregung abgeklungen ist. Dieser Vorgang wird mehrfach wiederholt.
  • Squeeze-Technik (Quetschtechnik): Ähnlich der Stopp-Start-Technik, jedoch wird kurz vor dem Samenerguss die Eichel für einige Sekunden sanft zusammengedrückt, was den Ejakulationsreflex schwächt.
  • Sexualtherapie/Psychotherapie: Bearbeitung von Leistungsdruck, Stress und psychologischen Ursachen.
    Buchempfehlung: Schon wieder zu früh…?: Das 3-Stufen-Programm gegen vorzeitigen Samenerguss.
    Pfreunder, Michael. ISBN: 9783837045246.
  • Beckenbodentraining kann die Kontrolle über die Ejakulation verbessern.
  • Partnerschaftliche Einbindung, gemeinsame Gespräche und offene Kommunikation über potenzielle Belastungen, Performance Druck oder Widerstände an ausgelagerten Schauplätzen können für Entspannung und Leichtigkeit beim Geschlechtsverkehr sorgen.

Cremes oder Sprays (z.B. mit Lidocain/Prilocain wie EMLA-Creme) können auf die Eichel aufgetragen werden, um die Sensibilität zu verringern. Auftragung 10-15 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr, Abwaschen vor dem Akt.

Mögliche Nebenwirkungen: Lokale Hautreizungen, Brennen auf der Haut, Mögliche Taubheitsgefühle bei dem/der Partner*in, falls das Mittel nicht abgewaschen wird, Wirkverlust bei der Erektion

„Blaue Pille“: PDE-5-Hemmer (z.B. Tadalafil, Sildenafil) erweitern die Blutgefäße im Penis. Einnahme als Tablette.

Mögliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Nasenlaufen, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel

Antidepressiva:

  • Dapoxetin (Priligy ®): Der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ist das einzige in Deutschland explizit für die Bedarfstherapie der Ejaculatio praecox zugelassene Medikament. Es wird ca. 1–3 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen.
  • Off-Label-Use von SSRIs: Andere SSRIs (z.B. Paroxetin, Sertralin, Fluoxetin oder Citalopram) können ebenfalls effektiv sein, werden außerhalb der offiziellen Zulassung als Antidepressivum aufgrund ihrer Nebenwirkung der verzögerten Ejakulation gezielt eingesetzt.

Mögliche Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit/Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Sexuelle Funktionsstörungen: Libidoverlust (vermindertes sexuelles Verlangen), erektile Dysfunktion (Erektionsstörungen), Absetzerscheinungen: Schwindel, Parästhesien (Kribbeln), Schlafstörungen bei plötzlichem Absetzen